"Soziale und digitale Infrastruktur als Standortfaktor für ländliche Regionen in Baden-Württemberg"

24.08.18

Interview mit Frank Böhringer, AOK Baden-Württemberg, ddn-Vorstandsmitglied


Herr Böhringer, ärgern Sie sich, wenn Sie über’s Land fahren und plötzlich keinen Internet-Empfang mehr haben?

Ärgern bringt nix. Wir müssen halt das Problem anpacken. Es geht ja nicht nur um mobilen Empfang, es geht um das Thema Daseinsvorsorge generell. Es geht um die Balance zwischen ländlichen Regionen und Ballungsräumen. Wenn alle in die Städte ziehen, dann hat das negative Auswirkungen für die soziale Infrastruktur, also Schulen, Kindergärten und bei der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum. Umgekehrt steigen in den Zentren die Mieten und der Verkehrsdruck steigt. Wir müssen dafür sorgen, dass neben den Ballungsräumen ländliche Räume attraktive Standorte bleiben und damit Unternehmen auch dort attraktiv für Fachkräfte bleiben. Das geht natürlich über den Ausbau von digitaler Infrastruktur, wie den Breitbandausbau. Aber insgesamt muss Leben, Wohnen und Arbeiten als Einheit möglich sein.


Das klingt, als ob für die Kommunen noch eine ganze Menge zu tun ist?

Nicht nur die Kommunen alleine. Es braucht Anstrengungen aller Beteiligten. Wir müssen raus aus dem Silo-Denken, wir müssen lernen, mehr gemeinsam zu planen und zu handeln. Arbeitskräftesicherung bekommt kein Unternehmen auf dem Land alleine hin und Kommunen brauchen dazu innovative Betriebe. Die Politik muss dafür die nötigen Rahmenbedingungen anpassen. Bei dieser Vernetzung engagiert sich auch das ddn: z.B. beim ddn-Regionaltag in Baden-Württemberg am 24.09.2018 in Stuttgart. Wir kommen ins Gespräch mit Betrieben, der Sozialwirtschaft, Kommunalplanern und der Politik.


Das klingt vernünftig, aber wie soll es dann weitergehen?

Wir müssen ja nicht immer das Rad ganz neu erfinden. Beim ddn haben wir viele Praxisbeispiele, wir kennen die Experten, wir können Vernetzung herstellen. Wenn wir in die nahe Zukunft schauen: Wir erleben in den nächsten Jahren den schrittweisen Ausstieg der Baby-Boomer-Generation aus dem Arbeitsmarkt. Diese Menschen sind fit und gut qualifiziert und sicher auch für vielfältiges Engagement an der Schnittstelle zwischen Betrieben und Kommunen vor Ort gefragt. Ich bin da optimistisch.