PFLEGE MIT ZUKUNFT: FIT FÜR GUTE FÜHRUNG

28.08.18

Interview mit Prof. Dr. Berthold Dietz, Leiter des ddn-Arbeitskreises Sozialwirtschaft

Herr Prof. Dr. Dietz, die Arbeitssituation in der Pflege ist aktuell angespannt, kommt das überraschend?

Also, erstens ist diese Situation nicht neu, und zweitens haben wir ein grundsätzliches Probleme mit der Attraktivität. Ich höre von Pflegefachschulen immer wieder: „Wir freuen uns über alle, die Pflege nicht als Verzweiflungstat sehen, weil sie sonst nichts bekommen.“ Leute, die sich für das Thema und den Beruf begeistern, gerne mit alten Leuten arbeiten, die müsste es eigentlich genug geben. Aber Pflege ist nicht hinreichend attraktiv.

Lässt sich denn die Attraktivität des Pflegeberufs steigern?

Die Attraktivität ließe sich eindeutig steigern, zum Beispiel, wenn sich die Einrichtungen stärker mit den typischen Attraktivitätsmerkmalen von modernen Arbeitssystemen beschäftigen. Viele Unternehmen versuchen, ihre Fachkräfte-Engpässe durch Flexibilisierung auszugleichen. Man passt die Arbeitszeit an die Bedürfnisse der Beschäftigten an. In der Pflege sind wir davon weit entfernt. Da ist man froh, wenn endlich mal ein freies Wochenende tatsächlich frei ist, und man nicht irgendwo einspringen muss. Wir haben im letzten Jahr eine Arbeitshilfe zu Schlüsselfaktoren guter Personalarbeit in der Pflege vorgelegt, der an den praktischen Handlungsmöglichkeiten vor Ort ansetzt.

Kann denn die Führung in der Einrichtung tatsächlich den Unterschied machen?

Ja durchaus. Wir wissen aus vielen Studien, dass wir gerade in sozialen Berufen Probleme mit Stressoren haben, die von Führungskräften positiv beeinflussbar sind. Vereinfacht gesagt: „Ich kann nicht gut pflegen, wenn ich selber nicht gut drauf bin“. An den Stressoren muss man arbeiten, insbesondere am Umgang mit den Fehlbelastungsfaktoren von Über- und Unterforderung, dem Zeitmanagement generell und auch an den Anforderungen und Erwartungen, mit denen alle in den Tag gehen. Das Verhalten der Führungskraft sind ist ein wesentlicher Einflussfaktor. Die Qualität einer Führungskraft erkennen sie an der Arbeitszufriedenheit, Gesundheit und Motivation der Beschäftigten. Modernes Führungsverhalten in der Pflege sorgt für Arbeitsbedingungen, die wir dringend zur Verbesserung der Qualität der Pflege und die Steigerung der Attraktivität des Pflegeberufs brauchen.