Ein Preis, viel Agilität, viel Zukunft

26.11.18

Rund 60 Teilnehmende konnten die Organisatoren Carmen Kraushaar, Leiterin des ddn Südbayern und Dr. Marco Chodora, Regionalkoordinator für Nordbayern bei der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit kürzlich zum ddn-Aktionstag Bayern begrüßen. Gastgeber Klaus Beier, der Leiter der Regionaldirektion eröffnete gleich zu Beginn mit einer klaren Analyse: „Ich habe in ganz Bayern keinen einzigen Zimmermann zu vermitteln. Wenn Sie Fachkraft sind, dann geht es Ihnen gut“. Dennoch sei es wichtig, sich auf den digitalen und strukturellen Wandel einzustellen. Angst vor der Digitalisierung sei dabei unbegründet, da Stellen nicht einfach wegfallen würden, sondern sich meist nur die Arbeitsinhalte änderten. Umso wichtiger sei es aber auch für Unternehmen, in Qualifizierung zu investieren. Ein Punkt, den sein Kollege Patrick Waterlot am Nachmittag in einem eigenen Forum nochmals ausführte und die neuen Förderkonzepte der Bundesagentur erläuterte.

Generell gelang es den Organisatoren, mit einem abwechslungsreichen Programm eine Mischung aus Information und Inspiration zu erzeugen. Für letztere stand besonders Prof. Dr. Gunther Olesch, Geschäftsführer beim Steuerungstechnik-Unternehmen Phoenix Contact, der im Rahmen der Veranstaltung den Sonderpreis „Demografiebewusstes Personalmanagement“ entgegennehmen konnte. In seinem kurzweiligen Einblick in die Wachstums-Story seines Unternehmens vom kleinen Industrieelektronik-Unternehmen zum Weltmarktführer mit 2,5 Milliarden Euro Umsatz sparte Ohlesch auch persönliche Rückschläge nicht aus. Er ermutigte die anwesenden Unternehmen, visionär und strategisch zu denken. „Wir haben vor dreißig Jahren schon eine Grundsatzentscheidung getroffen: Wir wollten zu den besten Arbeitgebern gehören.“ Ohne diese strategische Weichenstellung sei die Erfolgsgeschichte des im lippischen Städtchen Blomberg beheimateten Unternehmens nicht möglich gewesen. Eindringlich warb Olesch für das Konzept der transformationalen Führung und eine neue Kultur in den Unternehmen. „10 Sekunden Wertschätzung sind manchmal wichtiger als zweihundert Euro mehr“, so Olesch. Zahlreiche Anekdoten von Bühnenauftritt mit der Firmen-Rockband bis zum Messebesuch von Barack Obama sorgten für Heiterkeit und Staunen.

Voll des Lobes für Olesch war Frank Hauser, Geschäftsführer von Great Place to Work, der den Sonderpreis zusammen mit Frank Böhringer vom Vorstand des ddn vergab. Bei Phoenix Contact habe man verstanden, was die besten Arbeitgeber  ausmache. „Im Grunde ist es ganz einfach: Ein Umfeld schaffen, in dem die Menschen gerne zur Arbeit kommen und sich mit Ihrer Leistung einbringen“, so Hauser. Das sei auch der Grund, weshalb die jährlich als Great Place to Work ausgezeichneten Unternehmen wirtschaftlich deutlich erfolgreicher seien, als ihre Wettbewerber. Eine besondere Herausforderung stelle dabei die digitale Transformation da. Vertrauen in das eigene Unternehmen und die Führung werde dabei zur harten Währung.

Carmen Kraushaar und Marco Chodora übernahmen es, die Brücke zum Tagesthema „Lernen im agilen Umfeld“ zu schlagen. Gemeinsam mit den Teilnehmenden wurden dabei die unterschiedlichen Facetten der Begriffe Agilität und Lernen eingeordnet. „Wir brauchen ein klares Verständnis von Agilität, sonst müssen wir gar nicht damit anfangen“, so Chodora. Die Beschäftigung mit New Work stehe bei vielen mittelständischen Unternehmen noch am Anfang und müsse sich an den betrieblichen Notwendigkeiten ausrichten, statt Standard-Rezepten zu folgen.

Ein beeindruckendes Praxisbeispiel konnte Corinna Vogt, Head of HR Talent, Learning & Recruiting bei der ING in Deutschland, beisteuern: „Agilität ist alles andere als Chaos. Wir sind sehr strukturiert und sehr fokussiert“, so Vogt. Ihr Auftrag: Die Qualifizierung für agile Rollen und Arbeitsweisen bereit zu stellen und den agilen Mindset der Mitarbeiter weiter zu entwickeln. Die Bank gestaltet in gerade einmal 18 Monaten eine komplett agile Aufbauorganisation. Partizipation sei dabei das Grundprinzip. „Agilität gibt den konkreten Aufgaben und Problemen der Mitarbeiter mehr Raum. Im Ergebnis erreichen wir viel mehr Geschwindigkeit.“ Geholfen habe neben der fachlichen Unterstützung von Kollegen aus den Niederlanden vor allem das klare Commitment des CEO sowie die positive Erfahrung vieler Mitarbeiter schon in kurzer Zeit.

Carmen Kraushaar fasste am Schluss eines mit Eindrücken überquellenden Aktionstages die Erkenntnis zusammen, dass Erfahrungsaustausch in jeder Hinsicht positive Effekte auslöst: „Agilität geht nicht alleine, Lernen geht nicht alleine“. Für das kommende Jahr wolle man die Arbeit des ddn -Regionalnetzwerkes an diesen Zukunftsthemen vertiefen.

Die Vorträge der Referenten finden Sie hier: