Drei Fragen an Senatorin Dr. Melanie Leonhard

25.09.18

Die Schirmherrin des ddn-Fachkongresses über Digitalisierung und die Zukunft der Arbeit, Senatorin Dr. Melanie Leonhard, Präses der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration, ist Schrimherrin des ddn-Fachkongresses "Digitale Transformation – Unternehmen gestalten die Zukunft"

Frau Senatorin, Digitalisierung wirkt sich massiv auf die Zukunft der Arbeit aus - ist sie Fluch oder Segen?

Die Arbeit wird uns durch die Digitalisierung nicht ausgehen – sie wird aber in manchen Feldern leichter und verlagert sich branchenspezifisch. Die Wirtschafts- und Beschäftigungsstruktur verändert sich dynamisch. Und diesen Wandel müssen wir aktiv gestalten. Als Staat müssen wir dafür sorgen, dass die Beschäftigen bei diesem Wandel mitgenommen werden. Hier sind auch die Unternehmen in der Pflicht. Und die meisten nehmen ihre Verantwortung ernst. Sie bieten Umschulungen und Weiterbildungen an, damit Mitarbeitende im Unternehmen gehalten werden. Kein Betrieb kann auf Fachleute verzichten.

Und ich finde, es muss möglich sein, nach 20 Jahren in dem einen Job auch noch mal was komplett anderes machen zu können. Beim Thema "Lebenslanges Lernen" können wir noch mehr tun. Insgesamt glaube ich, dass die Digitalisierung und der Wandel in der Arbeitswelt eher mehr Chancen als Risiken bergen. Und diese Chancen müssen wir alle nutzen.

Hamburg spielt ganz vorne mit in der Entwicklung als Digital City - wie sehr bremst der Fachkräftemangel?

Der Fachkräftemangel bremst einige gute Digitalisierungsideen – aber bei Weitem nicht alle. Jemand muss eine kluge Idee ja auch programmieren, weshalb wir um Fachkräfte werben. Aber insgesamt betrachtet kommen wir in Hamburg sehr gut voran. Wir haben zum Beispiel für die Verwaltung eine Digitalisierungsstrategie entwickelt, die wir konsequent umsetzen. Viele Entscheidungen, die wir vor einem Jahr noch per Umlaufmappe trafen, werden mittlerweile mit elektronischen Workflows abgearbeitet. Das geht schneller und ist effizienter. Der Nutzen der Digitalisierung ist für mich unbestritten.

Darauf hat der Hamburger Senat schon 2013 reagiert und in seiner Fachkräftestrategie dieses Cluster bearbeitet. Zusammen mit den Kammern und den Sozialpartner entwickeln die zuständigen Fachbehörden konkrete Maßnahmen, Engpässen entgegen zu wirken. Ein kluges Beispiel ist das Programm shift. Studierenden, für die zum Beispiel das Informatikstudium nichts ist, wird eine Ausbildung in der Informationstechnologie nahegelegt. Das ist ein sehr hilfreicher Beitrag zur Fachkräftegewinnung.

Sie unterstützen den ddn-Fachkongress in Hamburg. Was erhoffen Sie sich für die Teilnehmenden?

In der Digitalisierung liegen viele Chancen – nicht nur für den technologischen Fortschritt, sondern auch für die Beschäftigung. Der Fachtag bietet meines Erachtens einen guten Rahmen, in diesem Sinne gewinnbringende Impulse für die Praxis zu erhalten. Wenn es uns gelingt, diese Impulse zu entfachen, haben wir viel bewegt.