Demographie Fokus - Gemeinsam Zukunft gestalten

06.09.18

Interview mit Thomas Eulenberger, Bürgermeister der Gemeinde Penig

Bei Ihrer Veranstaltung sind Arbeitgeberattraktivität und Fachkräftemangel das Thema. Worum geht es Ihnen dabei?

Ich glaube, das ist eines der Hauptthemen aller Gemeinden mittlerer Größe. Für mich geht es darum, dass erst einmal junge Leute hier möglichst  ihre Lehre machen sowie in der Region studieren können oder wieder zurück in die Region kommen. Viele wissen gar nicht, was hier vor Ort gemacht wird. Junge Leute kennen nicht die Berufsprofile, sind vielleicht diesbezüglich noch orientierungslos. Deshalb sollten die Unternehmen offensiv, möglichst schon in den Schulen auf sich und auf die Anforderungsprofile aufmerksam machen, die Türen öffnen und Leute reinschauen lassen. Dafür brauchen wir eine gute Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen, den Schulen, der Verwaltung.

Wo liegen die Handlungsmöglichkeiten der Kommune?

Erst mal muss man sich überhaupt aktiv mit dem Thema Demographie auseinandersetzen. Und dann muss man die Bürgerschaft sensibilisieren. Wir haben das Glück, dass sich  bereits seit 1994 eine Plattform in Form eines Wirtschaftsstammtisches gegründet hat. Dort treffen sich auf Einladung der Verwaltung die Vertreter der lokalen Unternehmen und bei Bedarf externen Gäste zweimal im Jahr, wo wir über die Entwicklung der Stadt, über Planungen oder aktuelle Themen informieren  und versuchen, ein Spiegelbild unseres Tuns zu bekommen und herauszufinden, ob unsere Überlegungen zielführend sind oder nicht.

Umgekehrt regen wir zu Aktivitäten an und unterstützen Ideen und Initiativen. Engagement zu stimulieren ist meine Aufgabe. Ob das eine Einkaufsnacht der Initiative „Innenstadt“ ist oder das Sommerfest der Gewerbetriebenden im Gewerbegebiet, das Praktisch neben der Präsentation der ansässigen Unternehmen fast schon eine Art Ausbildungsmesse geworden ist. Dort können die Unternehmen Leistungsstärke dokumentieren, da entstehen aber auch Bindungen zu Unternehmen oder Branchen. Diese Gemengelage wolle wir animieren, das wollen wir verstärken. Herzblut durch Bindung erzeugen.


Warum ist Ihnen diese Bindung so wichtig?

Das Phänomen des demographischen Wandels greift jetzt bei uns unmittelbar. Schauen Sie, wir haben in den letzten 27 Jahren einen Rückgang der Einwohnerschaft um die 30 Prozent gehabt. Anfänglich habe ich gedacht: Der Kelch der demographischen Entwicklung geht an uns vorbei. Es trifft andere, aber nicht uns. Das war mehr Wunsch als Realität. Um gegenzusteuern machen wir uns Gedanken über eine Stadtbuslinie, verbesserte Einkaufsmöglichkeiten in der Innenstadt, Freizeit- und Kulturangebote. Wir müssen fehlende Strukturen ergänzen und die Bewährten erhalten. Und wir brauchen Menschen, die bei der Stange bleiben, die hier wohnen bleiben. Es ist schön, wenn jemand mal für ein paar Jahre bei einer Firma arbeitet oder als Lehrer an der Schule hier unterrichtet. Aber es ist besser, wenn jemand dauerhaft bleibt und sich dann auch dauerhaft engagieren kann. Dafür setzen wir auch eigene Ressourcen der Kommune ein. Erschlossenes Bauland für 50,00 Euro zu erwerben, ist bei uns möglich. Hier kann man sich ansiedeln. Darauf setzen wir.